Geflügelte Wingmen


Bei der täglichen Suche nach einem potenziellen Partner hat es sich – insbesondere bei dem Besuch einer Diskothek – bisweilen als zielführend erwiesen, eine Allianz mit potenziellen Mitstreitern desselben Geschlechts zur Steigerung des eigenen reproduktiven Erfolges einzugehen. Diese so genannte „Wingman“-Taktik machen sich die männlichen Vertreter der Blaubrustpipra (Chiroxiphia caudata), einer kleinen Singvogelart aus Südamerika, zu eigen und gehen sich somit gegenseitig zur Hand… zum Flügel.

Die Partnersuche erfolgt dabei an ganz bestimmten Stellen im Wald, die sich für die Männchen als gute Bühne zur Vorführung ihrer Tanzkünste erwiesen und somit durchaus Ähnlichkeit zu den uns bekannten Diskotheken haben. Angelockt durch die Rufe des Alpha-Männchens, nimmt ein herannahendes Weibchen am Ende eines Astes Platz. Sofort stellen sich das Alpha- sowie ein bis fünf weitere Männchen daneben auf. Es setzt sich eine Kaskade individuellen Sich-Zurschaustellens in Gang: Das dem Weibchen nächstsitzende Männchen springt vom Ast auf und flattert ein bis zwei Sekunden vor seiner Angebeteten in der Luft auf der Stelle, wobei es zusätzlich zur visuellen Stimulation ein markantes Summ-Geräusch erzeugt. Inzwischen sind das zweite und alle dahinter wartenden Männchen auf dem Ast um eine Stelle vorgerückt und im Begriff, sich ebenso in Szene zu setzen. Der jeweilige Vorgänger überlässt nach seiner Vorstellung dem nächsten bereitwillig die Bühne, um sich erneut von hinten anzustellen.

Das Weibchen verfolgt gespannt die Vorstellung und zeigt durch aufgebrachtes Auf-und-Ab-Wippen seine Erregung. Nach einer Weile verkündet das Alpha-Männchen durch ein Signal seinen Helfern, dass diese nicht länger gebraucht werden. Die Gruppe löst sich auf und das Alpha-Männchen führt einen Solo-Tanz vor, dem kurz darauf die Kopulation folgt (dazu gibt es natürlich ein nettes Video).

Es stellt sich die Frage, welcher Nutzen sich aus dem Ritual einerseits für die dabei leer ausgehenden Männchen und andererseits für das Alpha-Männchen ergibt, das zunächst Konkurrenten in der Gegenwart des Weibchens duldet.
So, wie sich in und vor Diskos mitunter Schlägereien zutragen, stellen auch die Blaubrustpipras in Abwesenheit der Weibchen durch kurze Konfrontationen die Rangfolge klar, wobei jedes Männchen eine eigene Stufe in der Hierarchie einnimmt. Das meist ältere Alpha-Tier bleibt dabei natürlich nur solange in seiner Position, wie es vom nachfolgenden Beta-Männchen nicht verdrängt wird oder auf irgendeinem Wege zu Tode kommt. Innerhalb einer „Tanzgruppe“ warten Männchen so oft Jahre, bis sie an der Reihe sind. Sich auch vorher schon anzustrengen, mag sich auszahlen, wenn Weibchen eine Präferenz gegenüber sehr attraktiven Tanzgruppen oder Vorstellorten entwickeln und so zu erwarten ist, dass sie auch bei Wechsel des Alpha-Männchens dorthin zurückkommen werden.

Erfolgt die Solo-Vorstellung des Alpha-Männchens ohne vorherigen Gruppentanz, ist das Weibchen oft nicht in Stimmung und es kommt seltener zur Paarung. Das erklärt, warum der Ranghöchste in gewisser Weise auf seine ihm untergeordneten „Wingmen“ angewiesen ist. Im Unterschied zum menschlichen Disko-Äquivalent erfolgt die Begattung allerdings im Beisein aller, da Beta-, Gamma- und Delta-Männchen sich nach dem Gruppentanz nur ein paar Astlängen entfernen und das Geschehen weiterhin gebannt mitverfolgen.

Dieser durch mich veröffentlichte Artikel hat mein Freund Max Hofmann geschrieben, zukünftig wird er als mein Mitautor selbst Artikel veröffentlichen. Ein herzliches Willkommen wünsche ich an dieser Stelle!

Dieser Artikel wird zukünftig auch auf Englisch und auf Spanisch verfügbar sein.

This article will be also available in English and Spanish in the future.

En el futuro, este artícelo también estará disponible en ingles y español.

Referenzen

Foster, M. S. (1981). Cooperative behavior and social organization of the Swallow-tailed Manakin (Chiroxiphia caudata). Behavioral Ecology and Sociobiology, 9(3), 167-177

Bildreferenzen

Abb.1 Blue Manakin TANGARÁ (Chiroxiphia caudata) Parque Estadual da Serra da Cantareira – São Paulo-SP; Chiroxiphia_caudata.jpg: Dario Sanches; CC BY-SA 2.0

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s