Bäumchen, Bäumchen wechsle dich


Von einem uralten Baum, der sich umentschied

Wenn es um wirklich alte Lebewesen geht, dann denken viele sicherlich sofort an uralte Bäume. Tatsächlich ist der Liste sehr alter Bäume ziemlich lang, es gibt regelrechte Berühmtheiten mit eigenen Namen wie die „Dicke Marie“, „Old Tjikko“ oder passend „Methuselah.

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Abb. 1: Geschlechterspezifische Merkmale der Europäischen Eibe (Taxus baccata)

Die Fortingall Yew (dt. Fortingall-Eibe, Titelbild), die in einem Kirchhof im schottischen Fortingall steht, ist nicht nur deswegen bewundernswert, weil sie mit schätzungsweise 5000 Jahren der älteste Baum Europas sein könnte. Es kommt hinzu, dass der Baum vor Kurzem begonnen hat, sein Geschlecht zu wechseln. Grundsätzlich sind Eiben botanisch gesehen zweihäusig. Es gibt also rein männliche und rein weibliche Bäume, die sich vor allem im Herbst und im Winter aufgrund ihrer männlichen Zapfen oder ihrer weiblichen roten Beeren voneinander unterscheiden lassen (Abb. 1). Die Fortingall Yew wurde bisher als männlich eingestuft. Vor einem Jahr haben Botaniker des Royal Botanic Garden Edinburgh jedoch erstaunlicherweise festgestellt, dass es einen Ast am Baum gab, der die markanten roten Früchte trug und somit weiblich sein musste. Der Baum hat demzufolge also nach einer immensen Zeitspanne damit begonnen, sein Geschlecht zu wechseln.

So seltsam es auch klingen mag: Laut Botanikern wurden diese Geschlechtsumwandlungen schon häufiger bei Eiben und anderen Koniferen beobachtet. Bisher schienen Wechsel jedoch primär in den Baumkronen stattzufinden. Wäre bei der Fortingall-Eibe die Krone betroffen gewesen, wäre die Umwandlung vermutlich gar nicht so schnell aufgefallen.

Warum es bei Koniferen zu Geschlechtsumwandlungen kommt, ist noch nicht gänzlich geklärt. Man vermutet, dass Hormonschwankungen, Umweltveränderungen oder evolutive Zwänge Ursachen für die „Umentscheidungen sein könnten. Fortingall Yew steht seit dieser Entdeckung unter weiterer Beobachtung. Seine (oder ihre?) ersten Beeren wurden für ein Projekt zur Erhaltung der genetischen Vielfalt europäischer Eiben gesammelt.

p.s.:

Ich habe ein nettes Video von der Fortingall Yew gefunden:

Referenzen:

Max Coleman (2015) „Oldest yew tree switches sex“; http://stories.rbge.org.uk/archives/17622 [Stand: 19.12.16]

Max Coleman (2015) „Have I Got News for Yew“; http://stories.rbge.org.uk/archives/17977 [Stand: 19.12.16]

Bildquellen:

Titelbild : Von Snaik (2011) Fortingall Yew.; CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2142696 [Stand: 12.14.2016]

Abb. 1: Europäische Eibe (Taxus baccata), Illustration. CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=457198 [Stand: 12.14.2016]

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Rabenkram... sagt:

    Ich war dieses Jahr dort, er ist unglaublich schön…für einen soooooooooo alten Baum und er duftet…herrlich:-)

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    1. rkite sagt:

      Wunderbar, das kann ich mir wirklich vorstellen. Gab es denn schon mehr Äste mit den roten „Beeren“?

      Beste Grüße

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      1. Rabenkram... sagt:

        Ein paar wenige:-) Ich gebe zu es fiel mir echt schwer, diesen Baum nicht anzufassen, den normalerweise bin ich eine Baumkuschlerin;-), aber ihn zu sehen und den Duft zugenießen…herrlich. Es war reiner Zufall das wir dort mit unseren Gespannen eine Rast eingelegt haben…wer weiß, vielleicht ja auch nicht…

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