War dieser Schlüpfer Opfer von Tibbles?


Herzlich Willkommen zurück im neuen Jahr. Ich hoffe ihr habt die vergangenen Feiertage gut überstanden. Schön euch wieder begrüßen zu dürfen. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, hat das Blog eine kleine Schönheitskur verpasst bekommen. Auch dieses Jahr bin ich gespannt, was ich so an Kuriositäten finden kann.

Beginnen möchte mit einer kleinen Kriminalgeschichte. Angeklagt wird ein angeblicher Massenmörder, der im Alleingang eine ganze Spezies ausgerottet haben soll. Der Angeklagte heißt Tibbles und ist eine Katze! Richtig gehört: Tibbles, die Katze des Leuchtturmwärters David Lyall, soll angeblich vor gut 125 Jahren auf der Neuseeländischen Insel Stephen´s Island sein Unwesen getrieben haben [1]. Ihm wird angelastet, systematisch einen Großteil der dort endemischen Art des Stephen´s Schlüpfers (Traversia lyalli ,Rothschild 1894), die zu den Maori-Schlüpfern (Acanthisittidae) gehören, umgebracht zu haben. Einige von euch werden jetzt schmunzeln, ich habe mir den deutschen Namen wirklich nicht ausgedacht. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, ähnelt der Stephen´s Schlüpfer in seinem Habitus und seiner Größe unserem einheimischen Zaunkönig. Interessanterweise heißt er im Englischen Wren, was übersetzt auch Zaunkönig bedeutet. Allerdings ist er nicht näher mit diesem verwandt. Zwei verhängnisvolle Eigenschaften im Fall Tibbles sind (oder waren?) vermutlich seine Flugunfähigkeit und sein Unvermögen, Gefahren aus dem Weg zu gehen. Viele werden vermutlich an die Geschichte vom Dodo erinnert, die bekanntermaßen ja genauso geendet hat. Das Treiben seiner Katze hat Lyall nach einiger Zeit selbst aufgedeckt, da er bemerkte, dass Tibbles scheinbar immer wieder die gleichen Vögel fing und ihm stolz präsentierte. Als Naturalist und Hobby-Ornithologe (er war schließlich einsam auf der Insel) schaute er sich die toten Vögel genau an. Allerdings war er sich über die Artcharakterisierung nicht sicher und schickte daher einige Exemplare auf die lange Reise nach England. Nach Einigem hin und her, bestätigten Vogelexperten, dass er eine neue Art gefunden habe. Allerdings hielt die Freude nur kurz an: Seit einem Jahr nach der Entdeckung, also 1895, gilt der Schlüpfer als offiziell ausgestorben [2].

War dieser Schlüpfer Opfer von Tibbles? Als selbst ernnanter Katzenanwalt möchte ich Tibbles verteidigen. Zum Einem können (domestizierte) Tiere wohl von keinem menschlichen Gericht angeklagt werden. Außerdem folgen sie ihrem natürlichen Jagdinstinkt und das schließt eben nun mal die Jagd auf Vögel ein. Zum Anderen wird, wie auch beim Dodo und anderen ausgestorbenen oder stark dezimierten Vogelarten, davon ausgegangen, dass neben (anderen) Katzen, primär Ratten, die durch europäische Siedler und in diesem Fall durch die Lapita-Kultur verbreitet wurden, die Haupttäter gewesen sein dürften.

Für das Aussterben der Stephen´s Schlüpfer und anderer Tierarten sollten wir also die Mitverantwortung tragen!

Referenzen:

[1] Galbreath, R. & Brown, D. (2004) The tale of the lighthouse-keeper’s cat: Discovery and extinction of the Stephens Island wren (Traversia lyalli). Notornis, 51(4): 193–200.

[2] http://www.iucnredlist.org/details/22698593/0

Beitragsbild:

aus Original: Xenicus insularis = Stephens Island Wren  (Xenicus lyalli, cat.), John Gerrard Keulemans – Ibis 1895. Public Domain

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